Myokine: heilsame Botenstoffe aus den Muskeln

Verfasst von: Sylvia Haendschke
Back view of athlete man torso with muscle structure
Back view of athlete man torso with muscle structure  Bild: BigBlueStudio © stock.adobe.com
Einige Zeit lang dachten die Wissenschaftler, sie hätten die Muskeln schon bis ins kleinste Detail erforscht. Doch 2007 entdeckte die dänische Professorin Bente Pedersen neue Substanzen mit gesundheitsförderndem Effekt, die in den Muskeln gebildet werden: die Myokine. Allerdings werden sie nur ausgeschieden, wenn sich die Muskeln bewegen. Das bedeutet, der Mensch benötigt Bewegung, um die Myokinausschüttung anzuregen. Wieder ein Beweis dafür, dass Bewegung für die Aufrechthaltung der Gesundheit unentbehrlich ist.

Dass Sport in gesunden Maßen über viele gesundheitsfördernde Eigenschaften verfügt, das wissen wir bereits. Bewegung senkt zum Beispiel das Risiko für Schlaganfall, Arteriosklerose, Bluthochdruck, Brustkrebs, Osteoporose, Herzinfarkt und Darmkrebs. Wer regelmäßig Sport betreibt, lebt 3 bis 4 Jahre länger. Durch körperliches Training vergrößert sich der Muskelquerschnitt und neue Muskelfasern wachsen. Währenddessen werden die Knochen gekräftigt, der Kreislauf angeregt, das Fett im Körper abgebaut und die Widerstandsfähigkeit des Immunsystems erhöht. Außerdem erhält der Körper insgesamt mehr Sauerstoff. Das alles ist auf unsere Muskeln zurückzuführen, die mehr als nur bloße Zugmaschinen sind, sondern die komplexesten Organe. Bewegen wir unsere Muskeln, produzieren sie Myokine, die über die Blutbahn weit entfernte Körperregionen beeinflussen.

Es soll etwa 600 Myokine geben

Der Begriff Myokine leitet sich aus dem Griechischen ab: „mys“ für Muskel und „kinema“ für Bewegung. Myokine werden bei Kontraktion der Muskeln ausgeschüttet. Während des Sports sogar um das 20-Fache. Sie verteilen sich im Körper über die Blutbahn und heften sich an Rezeptoren auf den Zelloberflächen der Organe. Dort geben sie Signale ab. Das Ergebnis ist eine biologische Reaktion. Die wichtigsten bisher bekannten Myokine sind Interleukin 6 (IL-6), Interleukin 15 (IL-15), Vascular Enthothelial Growth Faktor (VEGF), Brain Derived Neurotropic Factor (BDNF) und Secreted Protein Acidic amd Rich in Cysteine (SPARC). Das als Erstes entdeckte Myokin ist IL-6.

IL-6 wirkt Tumorerkrankungen, Infekten und Entzündungen entgegen, stärkt das Immunsystem und die Fettverbrennung. Darüber hinaus steigert es die Aufnahme von Zucker in die Körperzellen. Bewegung kann deshalb Diabetes vorbeugen. IL-15 wirkt direkt in Muskeln und fördert das Muskelwachstum. Weiterhin hat es einen verjüngenden Effekt auf das Hautbild. VEGF sorgt für Verzweigung und Neubildung der Blutgefäße. Dadurch wird der Körper besser durchblutet. Es entspannt außerdem die Gefäße, sodass der Blutdruck sinkt. Zusätzlich hilft es auch beim Abnehmen. BDNF fördert das Wachstum neuer Nervenzellen und verbessert das Lern- und Erinnerungsvermögen. SPARC könnte möglicherweise die Entstehung von Krebs im Darm und allgemein das Tumorwachstum unterdrücken.

Sport treiben und Bewegung in den Alltag integrieren

Die größtmögliche Ausschüttung von Myokinen wird erreicht, wenn wir ins Schwitzen kommen. Deshalb sollten wir neben der Integration von Bewegung in den Alltag, wie zum Beispiel Treppen steigen statt Fahrstuhl fahren oder insgesamt 5000 Schritte tun, zusätzlich sportlichen Aktivitäten nachgehen, die uns Spaß bringen. Myokine werden sowohl bei Ausdauertraining als auch beim Krafttraining ausgeschüttet. Bei Krafttraining natürlich mehr. Das kann auch im Grünen und nicht nur in Fitnesshallen erfolgen. Sogar Pilates und Callanetics kommen einem Krafttraining gleich. Um Myokine auszuschütten reichen aber auch schon Nordic Walking, Trampolinspringen, Schwimmen, Fahrradfahren, Tanzen und Zumba aus. Ebenso ideal sind Tai-Chi, Qigong und Yoga. (Literaturquelle: Natur&Heilen 7/2019)

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Artikelsignatur: Sylvia Haendschke | Autoren-Ressort: quantenatem.reporters.de
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